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Mailand | Trumps Schatten über US-Team bei Olympia

Michael Kappeler/dpa | US-Sportler sehen sich während Olympia mit Hass-Attacken konfrontiert.

Politik und Winterspiele

Mailand (dpa) - Eigentlich wollen Amerikas Athletinnen und Athleten bei diesen Winterspielen doch nur sportlich glänzen. Doch just ihr Präsident liegt wie ein dunkler Schatten über dem Olympia-Team aus den USA. Donald Trumps umstrittene Migranten-Politik, das brutale Vorgehen seiner ICE-Agenten in Minneapolis, seine Beschimpfungen in sozialen Medien: Die amerikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen in den ersten Tagen des großen Sportfests von Mailand und Cortina inmitten politischer Debatten.

Während viele versuchen, sich auf die Wettkämpfe zu konzentrieren, werden andere deutlich: Der Ski-Freestyler Hunter Hess sprach von «gemischten Gefühlen», die USA zu vertreten. «Wenn es mit meinen moralischen Werten übereinstimmt, fühle ich mich vertreten. Aber nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was gerade in den USA passiert.»

Nach Trump-Beleidigung: Viele Hass-Kommentare gegen Athleten

Die Replik aus Übersee ließ nicht lange auf sich warten, und sie fiel in typischer Trump-Manier aus. Hess sei «ein echter Loser», polterte der Präsident bei Truth Social. Trump ergänzte, Hess hätte sich nicht für Olympia bewerben sollen. «Es ist sehr schwer, jemanden wie ihn anzufeuern.» 

Dass Trumps Beleidigungen immer auch Futter sind für andere, bekamen Hess sowie weitere Sportler zu spüren. Das US-Team erhalte eine wachsende Zahl von Hass-Nachrichten, teilte das Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC) der Nachrichtenagentur AP zuletzt mit. Man bemühe sich, um die Attacken in sozialen Medien zu entfernen und ernstzunehmende Drohungen an die Strafverfolgungsbehörden weiterzuleiten.

Influencer: «Dann zieh doch woanders hin»

Doch nicht nur anonyme Schreibtischtäter und Internet-Trolle haben sich auf kritische Sportler eingeschossen: Auch andere amerikanische Politiker und Trump-Freunde sowie rechte Aktivisten schüren online mit. Dass in Mailand tagelang gegen die Anwesenheit von Beamten der Einwanderungsbehörde ICE demonstriert wurde und es für US-Vizepräsident JD Vance bei der Eröffnungsfeier Pfiffe gab, dürft nicht deeskalierend gewesen sein.

Der prominente Youtuber und Boxer Jake Paul, der mit der niederländischen Olympiasiegerin Jutta Leerdam verlobt ist, schrieb auf der Plattform X an Hess: «Von allen echten Amerikanern: Wenn Du dieses Land nicht repräsentieren willst, dann zieh doch woanders hin.» Paul hat bei X 4,4 Millionen Follower.

Solidarität mit beschimpften US-Freestyler

Da ist es wenig verwunderlich, dass Medienvertreter fast bei jedem Auftritt von US-Teammitgliedern auch Fragen nach der politischen Lage in der Heimat stellen. Spencer Cox, republikanischer Gouverneur des Bundesstaats Utah, bat bei einer Präsentation der Winterspiele-Gastgeber von 2034 darum, doch die Sportler nicht mit diesen Themen zu konfrontieren. «Lasst die Politik sich um die Politik kümmern», sagte Cox in der Olympiastadt Mailand.

Doch so mancher Athlet will gar nicht zu diesen Fragen schweigen. «Sehr traurig» über die Entwicklung zeigte sich Freestyle-Kollegin Eileen Gu. Die gebürtige Amerikanerin tritt seit Jahren für China an, nach ihrem Nationenwechsel bekam sie Hass-Nachrichten und Morddrohungen. Hess habe sie jüngst angerufen «und gesagt, dass ich wohl die einzige Person sei, die verstehen könne, wie es sich anfühlt, wenn man einfach nur Ski fahren will und die ganze Welt sich gegen einen wendet», schilderte die 22-Jährige.

Hess übrigens sah sich dann zu einer Klarstellung bemüßigt und schrieb bei Instagram, dass er sein Land liebe. Das Beste an Olympia sei, dass es Leute zusammenbringt. «Wenn so viele von uns gespalten sind, brauchen wir das mehr denn je», schrieb er. Von etlichen Athleten bekam er dafür Zuspruch. «Was für eine Legende», meinte die deutsche Snowboarderin Annika Morgan.

Wegen Minneapolis: Schwieriger Fokus auf Sport

Vor allem die Bilder und Szenen aus der US-Stadt Minneapolis, wo Agenten der Einwanderungsbehörde ICE nach Migranten suchen und bei Protesten schon zwei Amerikaner erschossen haben, wühlen auf. Langläuferin Jesse Diggins, die 2018 Olympiasiegerin geworden war, sagte: «Ich bin in Minnesota geboren und aufgewachsen. Es ist unglaublich schwer, sich auf Skifahren zu konzentrieren, wenn ich sehe, was mit diesen großartigen Communities geschieht.» Sie wolle ihre Rennen nutzen, «um jenes Amerika zu vertreten, das respektvoll, liebevoll, fürsorglich und offen ist und in dem man aufeinander achtet», sagte Diggins.

Weltklasse-Snowboarderin Chloe Kim geht die Debatte rund um Minneapolis «sehr nahe», wie sie sagte. Die Doppel-Olympiasiegerin mit koreanischen Wurzeln unterstrich, «dass wir das Recht haben, unsere Meinung zu den aktuellen Ereignissen zu äußern. Ich denke, wir müssen mit Liebe und Mitgefühl vorangehen, und ich würde mir wünschen, dass dies öfter der Fall wäre.»

© dpa-infocom, dpa:260210-930-667623/1

Peter Kneffel/dpa | US-Vizepräsident JD Vance war in den ersten Olympia-Tagen zu Gast.

Jose Luis Magana/AP/dpa | Donald Trump hat US-Freestyler Hunter Hess nach dessen Äußerungen über die aktuelle Lage in den USA als «Loser» bezeichnet.

Oliver Weiken/dpa | Die in den USA geborene und für China startende Eileen Wu weiß, was Hasskommentare bedeuten.