Los Angeles | Misslingt Timothée Chalamet sein Imagewandel?
Superstar auf Abwegen
Los Angeles (dpa) - Hollywoods Goldjunge Timothée Chalamet hat den so begehrten Goldjungen Oscar schon wieder nicht gewonnen. Kritikerlob und ein Sieg bei den Golden Globes schienen den 30-Jährigen Anfang 2026 zum Favoriten auf den Oscar als bester Hauptdarsteller zu machen. Doch stattdessen eine Niederlage – und eine Debatte darüber, wie der einstige Indie-Liebling plötzlich zum umstrittenen Popkultur-Phänomen geworden ist.
Wie ist die Pleite zu erklären?
Die britische Rundfunkanstalt BBC fragte schon mehrere Tage vor der Oscar-Verleihung, ob der «Golden Boy» Hollywoods seinen Glanz verloren habe. Und die «Times» kommentierte jetzt fast hämisch nach dem verpassten Preis: «Chalamet hat drei Oscar-Nominierungen, drei Niederlagen. Nicht gerade das, was man von einem Mann erwarten würde, der sich selbst als den Besten seines Fachs bezeichnet.»
Man sehe hier eine Lektion in Demut, so die «Times», die Gründe seien offensichtlich: «Erstens: Wer ältere Oscar-Wähler ansprechen will, sollte sich vielleicht auf etwas anderes als virale Momente konzentrieren. Zweitens: Man sollte nicht so arrogant sein und sich für besser halten als Ballett und Oper.»
Der Hollywood-Star hatte sich Ende Februar in einer Gesprächsrunde mit seinem Kollegen Matthew McConaughey unter anderem über die Zukunft der Kinobranche und das Interesse von Zuschauern an Filmen ausgelassen. Chalamet sagte, dass er nicht in Bereichen wie Ballett oder Oper arbeiten wolle - «Dinge, bei denen man sagt, "Hey, erhaltet diese Sache am Leben, obwohl sich niemand mehr dafür interessiert".»
Warum eine sehr gängige Erklärung hakt
Zahlreiche Künstler reagierten empört, große Opernhäuser von der LA Opera bis zur Mailänder Scala, auch die Münchner und die Wiener Staatsoper setzten sich mit einer Mischung aus Witz und Kritik zur Wehr. Einige posteten Videos von vollen Sälen und luden Chalamet zum Opern-Besuch ein. Auch der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer tat das: «Wer Ballett oder Oper nicht hautnah und live erlebt hat, kann auch mal daneben liegen.»
Tagelang sorgten Chalamets Äußerungen für Debatten, wurden ziemlich hochgekocht. Waren sie nicht einfach nur die Meinung eines typischen Mannes der Generation Z (Chalamet ist Jahrgang 1995)? Kollegin Jamie Lee Curtis nannte seine Worte jedenfalls «dumm», sagte aber auch: «Es tut mir leid, dass sie jetzt wohl ein Teil seines Vermächtnisses sein werden.»
Den Opern-Shitstorm als Erklärung für Chalamets verpassten Oscar zu nehmen, wäre aber wohl zu kurzsichtig – denn die Kontroverse kochte erst Anfang März richtig hoch, als die Abstimmung der Academy-Mitglieder über die Preisträger gerade knapp gelaufen war. Der britische «Guardian» vermutete, womöglich sei die exzessive Werbekampagne für seinen Film zu viel gewesen oder Chalamet noch zu jung, um jetzt schon einen Oscar zu gewinnen.
Unbeliebter Imagewechsel
Vielleicht liegt es auch an einer längerfristigen Entwicklung des früheren Hollywood-Darlings. Über Monate hinweg hatte Chalamet sein öffentliches Image neu inszeniert: Er spielte während der Promotion zu «Marty Supreme» gezielt mit einer überheblichen, selbstbewussten Persona, verschmolz seine Starfigur mit der egozentrischen Filmfigur seines neuen Films und sprach offen davon, «einer der Großen» werden zu wollen.
Viele interpretierten sein jüngstes Verhalten als Arroganz. Gleichzeitig beobachten Filmfans seine Neupositionierung weg vom sensiblen Arthouse-Darsteller, der schon mal im androgynen Glitzeroutfit auf den roten Teppich trat, hin zu einem provokant selbstbewussten Filmstar in Sportkleidung und mit Fransen-Kurzhaarschnitt, der stärker auf ein männliches Publikum zielt.
Schon drei Nominierungen mit 30 Jahren
Vor «Marty Supreme» war Chalamet bereits zweimal für einen Oscar nominiert: 2018 im Alter von 22 Jahren für seine Rolle in dem Coming-of-Age-Drama «Call Me By Your Name». Der Film von Luca Guadagnino erzählt von der sexuellen Selbstfindung eines Jugendlichen, der während eines Sommerurlaubs mit seinen Eltern in Italien für einen etwas älteren Mann schwärmt, der bei seinem intellektuellen Vater als Assistent anheuert.
Im vergangenen Jahr war Chalamet dann für seine Darstellung des Musikers Bob Dylan im Biopic «Like a Complete Unknown» für einen Oscar nominiert. Exzessiv lernte er Gitarre, für seinen neuen Film «Marty Supreme» nun das Tischtennisspielen – in beiden Filmen geht es um Männer, die besessen sind von ihren Leidenschaften und sich dabei wenig um andere Menschen scheren.
Bei den Oscars posierte Chalamet dieses Jahr über-cool mit Sonnenbrille und weißem Anzug, turtelte anschließend bei der Party des Magazins «Vanity Fair» mit seiner Partnerin Kylie Jenner. Dass Chalamet jetzt überhaupt Teil des Reality-TV-Clans der Kardashians ist, passt für manche früheren Fans nicht so richtig zum einstigen Image des Sensiblen, fast Schüchternen.
Ende 2026 kommt Chalamet als Messias ins Kino
Doch Chalamet ist halt nicht mehr der, der er vor zehn Jahren zu sein schien. In seinem nächsten Film – «Dune: Part Three», der zu Weihnachten ins Kino kommen soll – spielt er übrigens den rücksichtslosen Paul Muad’Dib. Der ist zum Imperator aller Welten gekrönt und führt als Messias einen religiös motivierten Krieg im Universum, über den er vollends die Kontrolle verliert.
© dpa-infocom, dpa:260317-930-825825/1
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