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Predazzo | Mit Flamingo und «Fangirl-Moment»: Schmids Olympia-Finale

Daniel Karmann/dpa | Katharina Schmid hat ihre Ziele fest im Blick.

Olympische Winterspiele

Predazzo (dpa) - Wehmütig ist Katharina Schmid vor dem letzten großen Höhepunkt einer langen und bewegten Skisprung-Karriere nicht - im Gegenteil. «Ich freue mich riesig», sagt die 29-Jährige vor ihren vierten und finalen Olympischen Winterspielen. «Ich bin bereit für die letzten Male auf der großen Bühne.»

An diesem Samstag um 18.45 Uhr (ARD und Eurosport) und damit keine 24 Stunden nach ihrem großen Auftritt als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier geht es in Predazzo um die ersten Medaillen. Schmid hat fast alles erreicht. Ein Olympiasieg fehlt ihr noch. In Italien hat sie drei Chancen.

Schmid hat hohe Ansprüche

«Der Traum ist immer da, olympisches Gold zu gewinnen», sagt Schmid. «Mittlerweile fahre ich nicht mehr zu den Olympischen Spielen, um nur dabei zu sein. Dafür habe ich zu viel erreicht, zu hohe Ansprüche.» Ihr bis dato letzter Sieg im Weltcup ist 13 Monate her. In diesem Winter waren zwei dritte Plätze bisher die besten Ergebnisse. Zu den Topfavoritinnen gehört sie nicht.

Aus dem eigenen Team waren Selina Freitag und Agnes Reisch in dieser Saison bisher erfolgreicher. Die größten Siegchancen hat die im Gesamtweltcup führende Slowenin Nika Prevc. Selbstbewusst ist Schmid trotzdem.

«Ich glaube, ich stehe körperlich so gut da wie noch nie», sagt die Oberstdorferin. Sie wisse, «wenn alles zusammenläuft, wenn ich einen guten Tag habe, wenn die Bedingungen passen, wenn ich ein bisschen Glück habe, dann kann ich es auch schaffen».

Mit goldglänzendem Helm und goldener Skibrille testete Schmid am Donnerstag und Freitag die umgebaute Schanze im Val di Fiemme. Nach Startschwierigkeiten steigerte sie sich. «Es war sehr viel besser», sagte Schmid bei blauem Himmel in der Interviewzone des Skisprung-Stadions.

Fahnenträgerin Schmid will «Schwung mitnehmen»

Die emotionale Athletin, die ihre Gefühle nicht versteckt und das als Stärke sieht, setzt auch auf einen Schub durch die Eröffnungsfeier mit schwarz-rot-goldener Fahne in der Hand. «Ich hoffe, ich kann dann diesen Schwung mitnehmen. Diese Stimmung, dieses positive Gefühl», sagt die siebenmalige Weltmeisterin vor ihrer Aufgabe als Fahnenträgerin. Der frühere Weltklasse-Springer Martin Schmitt sprach bei Eurosport vom «i-Tüpfelchen zum Ende einer ganz großen Karriere».

Dass Schmid gewählt wurde, das deutsche Team bei der Start-Zeremonie gemeinsam mit Eishockey-Superstar Leon Draisaitl zu vertreten - sie in Predazzo, er in Mailand -, ist für sie als Fan der Sportart zusätzlich besonders.

«Es war so ein bisschen ein Fangirl-Moment», berichtete Schmid von einer Instagram-Nachricht, in der ihr der 30 Jahre alte NHL-Stürmer gratulierte. Jetzt hofft sie auf ein persönliches Kennenlernen: «Ich muss ihm nochmal schreiben. Vielleicht geht es sich aus, dass wir nach unseren Wettkämpfen nach Mailand fahren. Ich hoffe, ich treffe ihn da.»

Familie kommt zur Unterstützung

Nach Winterspielen in Russland, Südkorea und China während der Corona-Pandemie freut sich die heimatverbundene Schmid zudem auf ganz viel Unterstützung in Auto-Reichweite ihres Zuhauses.

Unter anderem ihre Familie und ihr Mann wollen pünktlich zum ersten Wettkampf im Trentino angekommen sein. Und zusätzlich soll noch ein besonderer Glücksbringer helfen. «Natürlich ein Flamingo», sagt Schmid. Nachbildungen des Tieres hat sie gleich in mehreren Ausführungen dabei.

© dpa-infocom, dpa:260206-930-651095/1

Matthias Schrader/AP/dpa | Katharina Schmid (2. vr) ist bereit für ihre letzten Sprünge bei Olympia.

Daniel Karmann/dpa | Im Weltcup waren andere bisher stärker, doch Schmid ist optimistisch.